Eine ganz besondere Baumaßnahme

FAKTEN

  • Kapazität:
    ca. 70.000 Zuschauerplätze
  • Baujahr:
    1966
  • Besonderheiten:
    Laufender Betrieb während der Bauarbeiten
    Besondere Absicherungs-maßnahmen aufgrund von täglich bis zu 30.000 Gästen

Eine ganz besondere Baumaßnahme

Sanierung Olympiastadion München

Eine ganz besondere Baumaßnahme für die Experten der Firma Hydro-Tech GmbH war das Olympiastadion, Wahrzeichen der Landeshauptstadt München. Die Herausforderung dabei: Der laufende Betrieb darf während der Arbeiten, die im April 2010 begannen und bis Dezember 2011 angedauert haben, nicht gestört werden.

Der Grund für die Sanierung: Die Rahmenbinder an der westlichen Tribüne waren erheblich beschädigt, weshalb eine ausführliche Bauwerksprüfung durchgeführt wurde. Dabei kamen weitere Instandhaltungsmängel zu Tage. So wurde etwa Tausalz eingesetzt, um die Verkehrssicherheit zu gewährleisten. Dies wirkte sich jedoch im Laufe der Zeit negativ auf die Bausubstanz aus. Neben Schäden durch Witterungseinflüsse wurden auch Beschädigungen durch die Sanierungsmaßnahme in den 80er Jahren festgestellt. Laut einem Gutachtenn ist die westliche Tribüne außerdem in Teilbereichen baufällig.

BILDERGALERIE

PROJEKTBESCHREIBUNG

Errichtet wurde das Stadion, nachdem München 1966 den Zuschlag zur Austragung der XX. Olympischen Sommerspiele 1972 erhalten hatte. Die Sportstätte im Münchner Norden setzte mit seiner Zeltdachkonstruktion architektonisch Maßstäbe und wurde rasch zu einem Wahrzeichen der Weltstadt mit Herz. Das Stadion, Kernpunkt des Olympiaparks, ist aber sehr viel mehr: Es gilt als die bundesdeutsche Sportstätte, in welcher die meisten internationalen Turniere ausgetragen wurden. So fanden unter anderem das Endspiel der Fußball-Weltmeisterschaft 1974 und der Fußball-Europameisterschaft 1988 statt, des Weiteren wurden drei Endspiele im Europapokal der Landesmeister bzw. der UEFA Champions League hier ausgetragen. Sportlich sorgten der FC Bayern München sowie der TSV 1860 München für Furore. Bis die beiden Vereine 2005 in die Allianz-Arena umzogen, war das Olympiastadion ihr Heimstadion.

Getreu dem Motto, “Olympische Spiele im Grünen” abzuhalten, war die oberste Prämisse, das Stadion so zu planen, dass es sich harmonisch in die Landschaft einfügt. Damit haben sich Olympiastadion und Olympiapark nicht nur zu einem touristischen Highlight der Landeshauptstadt, sondern auch zu einem wichtigen Freizeitfaktor für die Einwohner aus München und dem Umland entwickelt.

Von Anfang an war das Stadion so konzipiert, dass hier nicht nur sportliche Events, sondern auch kulturelle Veranstaltungen durchgeführt werden können. So gaben sich im Münchner Olympiastadion in den vergangenen Jahrzehnten die Größen der internationalen Rock- und Popszene die Klinke in die Hand. Mit einer Kapazität von rund 70.000 Zuschauerplätzen auf den Rängen ist das Stadion dafür auch geradezu prädestiniert. Das Münchner Olympiastadion hat übrigens das Augsburger Rosenaustadion als größtes bayerisches Stadion abgelöst. Natürlich muss auch ein so berühmtes Bauwerk regelmäßig auf Schäden in der Bausubstanz überprüft und gegebenenfalls repariert werden. Das Stadion bedurfte nach einer ersten Sanierung in den 80er Jahren nun einer erneuten Instandsetzung. Die Experten der Hydro-Tech GmbH arbeiten damit gerade an einer legendären Stätte im sportlichen und kulturellen Bereich.

Der Grund für die Sanierung: Die Rahmenbinder an der westlichen Tribüne waren erheblich beschädigt, weshalb eine ausführliche Bauwerksprüfung durchgeführt wurde. Dabei kamen weitere Instandhaltungsmängel zu Tage. So wurde etwa Tausalz eingesetzt, um die Verkehrssicherheit zu gewährleisten, schließlich zieht das Olympiastadion nicht nur bei Veranstaltungen zahlreiche Besucher an. Dies wirkte sich jedoch im Laufe der Zeit negativ auf die Bausubstanz aus. Neben Schäden durch Witterungseinflüsse wurden auch Beschädigungen durch die Sanierungsmaßnahme in den 1980er Jahren festgestellt. Laut einem Gutachten aus dem Jahr 2009 ist die westliche Tribüne außerdem in Teilbereichen baufällig.

Die Sanierung des Olympiastadions stellt eine ganz besondere Herausforderung dar, da der Besucherverkehr mit bis zu 30.000 Gästen pro Tag sowie Veranstaltungen in den Räumlichkeiten absoluten Vorrang haben und nicht beeinträchtigt werden dürfen. Die Sanierung wird deshalb in bis zu acht Teilabschnitten durchgeführt, des Weiteren ist eine besondere Absicherung des Baufeldes erforderlich. Natürlich werden im Umfeld der Veranstaltungen die Bauarbeiten eingestellt. Während der Sanierung fanden unter anderem folgende Großveranstaltungen statt: Cirque de Soleil von März bis Mai 2010, ein Konzert im Rahmen der jüngsten Welttournee von U2 sowie Public-Viewing-Veranstaltungen während der Fußball-Weltmeisterschaft im vergangenen Jahr. Um die Sanierungsarbeiten fachgerecht durchführen zu können, mussten die Hydro-Tech-Mitarbeiter sowohl einen speziellen Abtragungsroboter zum Betonabtrag von Entwässerungsrinnen als auch ein Verfahren zur Reprofilierung dieser Rinnen entwickeln.

An den Rahmenbindern, die auf eine maximale Nutzlast von 5,0 Kilonewton pro Quadratmeter ausgelegt sind, wurden Schäden durch Chlorid beziehungsweise Karbonatisierung festgestellt. Für die Sanierung war es zunächst erforderlich, eine aufwendige Gerüstkonstruktion aufzubauen, die gesondert von einem Gerüststatiker abgenommen werden musste. Eingesetzt wurden sowohl Hänge- als auch Fahrgerüste. Bei der Einrichtung wurde darauf geachtet, dass bei Veranstaltungen stets die vorgeschriebenen 16 Meter breiten Fluchtwege freigehalten wurden. Eine Selbstverständlichkeit, da bei Veranstaltungen keine Abstriche in Sachen Sicherheit gemacht werden durften.

Diese Selbstverständlichkeit bedeutete für die Experten der Hydro-Tech GmbH allerdings eine zusätzliche Herausforderung. Anschließend wurde die Beschichtung mit Heißwasser (ca. 80 Grad), das einen Wasserdruck von 800 bar hatte, entfernt. Nach der Betonuntersuchung und der Kennzeichnung der beschädigten Stellen wurde der schadhafte Beton durch eine Handlanze mit Höchstdruckwasser (3000 bar) abgetragen, wobei die Abtragstiefe 20 Zentimeter betrug. Weil die Bauteile stark ausgelastet sind, erforderte dieser Arbeitsgang bis zu acht Arbeitsschritte an jedem Bauteil.

Die Reprofilierung erfolgte mittels Spritzbeton im Trockenspritzverfahren sowie mit PCC-Mörtel. Abschließend wurden die Rahmenbinder mit dem Oberflächenschutzsystem OS-D II erneut beschichtet.

Chloridschäden durch Tausalze hatten der Bausubstanz der Entwässerungsrinnen erheblich zugesetzt. Zunächst mussten die Rinnen gereinigt werden, bevor weitere Arbeiten in Angriff genommen werden konnten. Nach der groben Reinigung von Hand wurde der Untergrund mit einem Druck von 800 bar vorbereitet. Nach der Reinigung der Rinnen wurden sie mit einem 400 KW-Heizgebläse getrocknet. Anschließend erfolgte eine Kamerabefahrung sowie die Auswertung der Daten, um ein Bild vom kompletten Ausmaß des Sanierungsaufwandes zu bekommen.

Abgetragen wurde der Beton an den chloridgeschädigten Bereichen mit Hilfe eines Abtragsroboters und eines Seilsystems bei einem Druck von 3000 bar. Der Roboter war an seinem Kopf mit 3 rotierenden Flachstrahldüsen ausgerüstet, um diese Aufgabe bestmöglich zu erfüllen. Das Seilbahnsystem war neben den Zuschauerrängen installiert und wirkte von dort aus eher unspektakulär. Bedient wurde das System über eine handgeführte Traversierwinde vom Reportergraben aus. Die Seilbahn führte nicht nur den Abtragungsroboter, sondern diente auch zum abschließenden Einbau der Fertigteil-Rinnen. Der Verguss erfolgte durch Pumpbeton.

Was auf den ersten Blick unspektakulär klingt, erforderte einen erheblichen Aufwand. Um diesen Arbeitsschritt erfolgreich durchzuführen, wurde im Vorfeld ein Modell im Maßstab 1:1 aufgebaut. Dies war erforderlich, um die entsprechenden Fertigteile entwickeln zu können und um das Fließverhalten des Vergussbetons zu untersuchen und gegebenenfalls andere Alternativen ins Auge zu fassen. Zum Abschluss dieser Arbeiten wurde eine weitere Kamerabefahrung durchgeführt, um den Erfolg der Arbeiten zu kontrollieren und gegebenenfalls nachbessern zu können.

Chloridschäden hatten den Randbalken nicht nur äußerlich zugesetzt. Auch auf der von außen nicht sichtbaren Unterseite wurden Schäden festgestellt. Der Abtrag der chloridbelasteten Betonflächen erfolgte durch einen Roboter in drei getrennten Teilschritten. Abgetragen wurde bis zu einer Tiefe von 8 Zentimetern. Kleinflächen wurden mit einer Handlanze und einem Wasserdruck von 3000 bar bearbeitet. Grund für die Aufteilung: Die Standsicherheit der Balken durfte auf keinen Fall gefährdet werden. Nach dem erfolgreichen Abtrag wurde eine erneute Probe entnommen, um den Erfolg der Arbeit zu dokumentieren und eventuell weitere schadhafte Stellen ausbessern zu können. Die abgetragenen Flächen wurden durch Aufbeton reprofiliert. Die Oberfläche wurde durch eine OS8-Beschichtung versiegelt.

Neben diesen großen Teilbereichen standen bei der Sanierung des Olympiastadions noch weitere Arbeiten an. Folgende Maßnahmen wurden von den Hydro-Tech-Experten noch durchgeführt: Tiefenhydrophobierung von Fertigteilstufenelementen im Innenraum der Tribüne sowie die Instandsetzung von chloridgeschädigten Auflagerkonsolen (Lastfreistellung durch hydraulische Pressen, Betonabtrag HDW, Reprofilierung durch Vergussbeton, Austausch Elastomerlager).

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