Arbeiten im Grenzbereich

FAKTEN

  • Baujahr:
    1960 - 1965
  • Besonderheiten:
    Arbeiten innerhalb des bewachten Sicherheitsbereichs
  • Zahlen:
    Mauerlänge 1,5 km
    Dehnfugen auf 5,5 km bearbeitet

Arbeiten im Grenzbereich

Instandsetzung der Außenmauer
der JVA Stadelheim

Die JVA im Münchener Stadtteil Giesing gehört mit einer Gesamtkapazität von knapp 1.400 Haftplätzen, die im Notstand auf bis zu 2.100 erweitert werden können, zu den größten Justizvollzugsanstalten Deutschlands. Sie entstand bereits 1894 auf dem ehemaligen Gut Stadelheim, das der JVA den heute allgemein bekannten Namen verlieh.

In der Zeit zwischen 1933 und 1945 war die JVA Stadelheim unter anderem “zentrale Hinrichtungsstätte für den Vollstreckbezirk VIII”. In dieser Zeit des Nationalsozialismus wurden dort 1.035 Menschen hingerichtet. Diese Zeiten sind glücklicherweise lange vorbei. Im Laufe der Jahre wurde das JVA-Gelände ständig erweitert und umgebaut. Es muss natürlich auch regelmäßig instandgehalten werden.

Die jüngst anstehende Sanierung der Mauer des Vollzugsgebäudes – Baujahr 1960 bis 1965 – mit einer Länge von insgesamt ca. 1,5 km wurde an die Hydro-Tech GmbH vergeben. Der geplante Zeitraum der Sanierungsmaßnahme erstreckte sich vom Herbst 2016 bis in den Winter 2017.

BILDERGALERIE

PROJEKTBESCHREIBUNG

Die Außenmauer besteht zu einem Teil aus Stahlbeton und teilweise aus Mauerwerk. Die Flächen mussten gereinigt und für die folgende neue Beschichtung vorbereitet werden. Verwitterungen und Algenbewuchs hatten über die Jahre deutliche Spuren hinterlassen. Punktuelle Schadstellensanierung, stellenweise flächige Erneuerungen sowie das Freilegen der Dehnfugen waren die vorgesehenen folgenden Arbeitsschritte.

An der Nordseite des Gebäudes in Richtung Stadelheimer Straße wurde aufgrund der vorliegenden Tausalzbelastung ein besonderes Augenmerk auf den Sockelbereich gelegt. Der Asphaltbelag musste entfernt werden, betroffene Stellen wurden durch Bearbeitung mit Höchstdruckwasserstrahl freigelegt und nach Ergänzung der geschädigten Bewehrung wieder reprofiliert. Der gesamte Sockelbereich wurde mit einer Abdichtung versehen. Der Asphaltbelag wurde erneuert und zur Mauer hin abgedichtet.

Alle Dehnfugen mussten auf einer Länge von knapp 5,5 km ausgebaut, gereinigt, stellenweise neu profiliert und wieder eingebaut werden. Den Abschluss bildete eine Beschichtung nach einem mit dem Auftraggeber abgestimmten Farbkonzept. Bestimmte Bereiche wurden außerdem nach Vorgabe des Instandsetzungskonzeptes zusätzlich mit einer gespachtelten Beschichtung versehen.

Egal ob Friedhof, Parkplatz, Sicherheitsbereich oder Haupteingang mit Publikumsverkehr ­­- die Arbeiten mussten aufgrund der besonderen Anforderungen an die Sicherheit immer unter Berücksichtigung besonderer Umstände erfolgen. Hinzu kam, dass eine Höhe von bis zu 8 m durch Gerüst und Arbeitsbühne bedient werden musste. Auch die Herstellung von Strom- und Wasseranschlüssen, die in der Regel bei jeder anderen Baustelle problemlos zugänglich sind, wird bei der Bearbeitung einer Gefängnismauer schnell zur zeitraubenden Aufgabe.

Hier ist der Polier nämlich auf die Besetzung der Wachtürme angewiesen. Wenn Sicherungen streiken oder das Wasser nicht dort ankommt, wo es gebraucht wird, muss entweder die Wachmannschaft aushelfen oder der Polier muss 3 km Fußmarsch und 2 Besuche in der Sicherheitsschleuse auf sich nehmen, um das Problem zu beheben.

Nachdem 50 % der Fläche von innen bearbeitet werden mussten – und diese innerhalb des am besten bewachten Bereichs der Anlage liegen –, kann man erahnen, welche Hürden unsere Mitarbeiter vor sich hatten. „Anforderungen an Sicherheitsschleusen“, „Arbeiten unter Aufsicht“ oder „Richtlinien für anstaltsfremde Personen“ stellten nur einen kleinen Teil der einzuhaltenden Vorgaben dar. Erschwerend kam hinzu, dass mit mehreren Firmen zeitgleich am Objekt gearbeitet wurde, was eine zuverlässige Abstimmung erforderlich machte.

Die Arbeiten sind nach dem jetzigen Stand zum großen Teil abgeschlossen. Wir freuen uns, dass unser Auftraggeber zufrieden mit uns und unserer Arbeit war und uns das freundlicherweise auch hat wissen lassen. Solch ein Lob motiviert doch immer sehr. An dieser Stelle möchten wir uns allerdings auch ausdrücklich bei der Bauabteilung der JVA für die angenehme und reibungslose Zusammenarbeit bedanken. Ohne diese hätten die oben genannten Erschwernisse zu deutlich größeren Behinderungen führen können. Die neu gestaltete Umfassungsmauer ist auf jeden Fall gelungen und eine optische sowie werthaltige Bereicherung der Justizvollzugsanstalt München-Stadelheim geworden.

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