Moderner, energieeffizienter und langlebiger

FAKTEN

  • Baujahr:
    1974
  • Besonderheiten:
    Begrenzte Fläche für die Baustelleneinrichtung wegen direkter Nähe zum Stadtzentrum

    Durchgängige Nutzung des Geschäftshauses
  • Zahlen:
    Sechs Geschosse

Moderner, energieeffizienter und langlebiger

Fassadensanierung in Augsburg

Das Wohn- und Geschäftshaus befindet sich im Zen­trum von Augsburg in der Nähe des Hauptbahnhofes. Es wurde 1974 erbaut und 1986 mit einer zusätzlichen Etage auf sechs Geschosse aufgestockt. Die tragende Stahlkonstruktion wurde im mittleren Bereich durch Fassadenelemente aus Leichtbeton verkleidet.

Das Architekturbüro Brendle entwarf das für die damalige Zeit architektonisch herausragende Bauwerk. Es wurden bereits Elemente wie verdeckt eingebaute Fensterrahmen verwirklicht, welche heute noch als beliebtes Gestaltungsmittel eingesetzt werden. Vor 15 Jahren wurde die Fläche durch das Aufbringen eines Fliesenbelages in bestimmten Teilbereichen saniert. Die aktuellen Bauteiluntersuchungen lassen vermuten, dass bereits damals Schädigungen an der tragenden Konstruktion vorhanden waren.

Im Laufe der Jahre lockerte sich die Fliesenverkleidung an ­diversen Stellen und löste sich zum Teil ab. Daher musste mit einer Gefährdung vorbeilaufender Passanten durch herabfallende Teile gerechnet werden. Des Weiteren kam es zu undichten Bereichen in den Wartungsfugen und die tragenden Bauteile waren nicht mehr vor Kälte, Nässe und somit Korrosion geschützt. Witterungseinflüsse und Nutzung hinterließen so drastische Spuren, dass eine umfassende Sanierung der Fassadenfläche dringend notwendig wurde.

BILDERGALERIE

PROJEKTBESCHREIBUNG

Ziel der Sanierung:

  • Erscheinungsbild größtmöglich beibehalten
  • Verbesserung der Wartungsfreundlichkeit
  • Sicherstellen des Werterhaltes der Immobilie

Instandsetzungsziel

Die Bahnhofstraße ist um ein ansprechendes Haus reicher. Moderner, energieeffizienter und langlebiger ist das renovierte Gebäude. Die Kacheloptik wurde entfernt und die Fassade erstrahlt in neuem kühl-modernen Look. Aber wir wollen nichts vorwegnehmen. Immer der Reihe nach:

Ziel der Sanierung des sechsstöckigen Gebäudes in der Bahnhofstraße war es, den in Teilen noch unbeschädigten Bestand der Stahlbetonkonstruktion zu sichern und alle vorhandenen, größtenteils statisch relevanten Schäden an den tragenden und nicht tragenden Bauteilen zu beseitigen. Außerdem sollte der Stahl im Stahlbeton vor erneuter Korrosion geschützt werden, um so auch weiterhin die Standsicherheit und Gebrauchstauglichkeit des gesamten Gebäudes zu gewährleisten.

Dabei wurde eine Restnutzungsdauer von weiteren 50 Jahren angestrebt und letztlich auch umgesetzt. Bedenkt man, dass das Gebäude bereits seit 40 Jahren steht, hat die Sanierung seine Nutzungsdauer über das Doppelte in die Zukunft verlängert.

Das Gebäude blieb während der gesamten Instandsetzungsarbeiten zu 100 Prozent in Nutzung. Schallintensive Arbeiten wurden im Schichtbetrieb außerhalb der Geschäftszeiten durchgeführt, sodass auch sensible Einheiten wie z. B. Arztpraxen, Anwaltskanzleien und Architekturbüros weiterhin betrieben werden konnten.

Ausführungserschwernisse

Da sich das Gebäude direkt in der dichten Innenstadt von Augsburg befindet, sind Flächen für die Baustelleneinrichtung nur begrenzt vorhanden. Zusätzlich soll die Nutzung des Gebäudes während der Sanierungsarbeiten nicht eingeschränkt werden, was eine weitere Herausforderung für den Sanierungsprozess darstellt. Aber auch die gesundheitlichen Auswirkungen für die Be- und Anwohner im Bereich der Baustelle müssen berücksichtigt werden. Sie sollen bestmöglich vor Lärmbelästigung, Staubentwicklung und Dieselab­gasen geschützt werden.

Nach dem Einrichten der Baustelle und der aufwendigen­ Verkehrssicherung der Stellflächen und des Fußgängertunnels folgt der Gerüstaufbau. Dieser muss in mehreren Abschnitten erfolgen. Erst wird das Gerüst bis an die Unterkante der ersten Betonwürfel­reihe montiert. Nachdem diese abgebrochen ist, kann aufgestockt werden. Entsprechend wird in der oberen Reihe verfahren.

Als erster Arbeitsschritt werden sämtliche Fliesen­beläge der Fassadenfläche entfernt und die Leichtbetonquader der Fassadenverkleidung abgestemmt. Es folgt die Sanierung aller betroffenen Flächen durch den Abtrag der vorhandenen Beschichtung mittels Hochdruckwasserstrahlen und anschließender Schadstelleninstandsetzung. Zum Schutz der Gebäudehülle wird in Teilbereichen ein Wärmedämmverbundsystem aufgebracht. Diese Maßnahme dient der Eliminierung von Wärmebrücken­ in kritischen Bereichen.

Alle Stahlbetonflächen werden mit einem Oberflächenschutzsystem versehen. Die vorhandenen Wartungsfugen werden ausgetauscht. Auch die Dachterrasse wird im Zuge der Instandsetzung in den Bereichen Abdichtung, Dämmung, Belag und Entwässerungseinrichtung erneuert bzw. saniert. Abschließend wird die gesamte Fassade optisch überarbeitet und erhält so ihr neues Gesicht.

Instandsetzungsumfang

Bereits seit 2009 hatten sich Teile der vorgehängten, quaderförmigen Leichtbetonelemente sowie Teile der Fliesenverkleidung von der Fassade gelöst. Die Verkehrssicherheit des angrenzenden Gehwegs und der Parkflächen hinter dem Gebäude war somit nicht mehr gegeben. Es musste schnell gehandelt werden.

Nach erfolgter Bauwerksuntersuchung und den daraus gewonnenen Erkenntnissen zum Ist-Zustand der Fassade wurde ein Abbruch der Leichtbetonquader festgelegt. Dies war unumgänglich, da eine klassische Instandsetzung der Leichtbetonelemente und somit ein Erhalt der ursprünglichen Fassadenoptik selbst durch die Firma Hydro-Tech GmbH nicht mehr zu gewährleisten war. Manchmal stoßen auch absolute Profis an natürliche Grenzen.

Zunächst wurden daher alle Fliesenbeläge abgeschlagen. Die Quader wurden mit Schneidgeräten und größtenteils mittels elektrischer Abbruchhämmer von der Fassade entfernt und fachgerecht entsorgt. Damit ergab sich eine völlig neue, mehr zeitgemäße Fassade. Ein lohnender Nebeneffekt der Sanierung.

Betoninstandhaltung

Um die Standsicherheit aller verbleibenden Stahlbetonbauteile zu gewährleisten, wurden diese nach der Grundsatzlösung R1 der Instandsetzungs-Richtlinie instand gesetzt. Alle nicht begehbaren, senkrechten Oberflächen wurden mit einem rissüberbrückenden OS-5-System beschichtet. Außerdem wurden alle Wartungsfugen erneuert.

Die Instandsetzung wurde so ausgeführt, dass über die angestrebte Restnutzungsdauer von 50 Jahren eine erneute Depassivierung der Stahloberfläche ausgeschlossen bleibt.

Das Wärmedämmverbundsystem

Bei dem 40 Jahre alten Gebäude war ursprünglich keinerlei Dämmung vorhanden. Ein No-Go bei steigenden Energiepreisen. Im Zuge der Sanierung wurde daher jetzt auch eine energetische Modernisierung durchgeführt. Dazu wurde ein 14 cm starkes mineralisches Wärmedämmverbundsystem der Wärmeleitfähigkeitsklasse 035 aufgebracht. Der Dämmungseffekt dieses Systems ist vergleichbar mit einer Mauerdicke von ca. 1,50 m Standardziegel. Es empfiehlt sich übrigens häufig bei einer Fassadensanierung, gleich eine energetische Sanierung mitvorzunehmen.

Der Vorher-nachher-Vergleich ist frappierend. Dank planerischer Weitsicht und gelungener handwerklicher Umsetzung ist die Fassade des Gebäudes jetzt nicht nur technisch auf dem neuesten Stand, sondern – unter Wahrung seines architektonischen Charakters – auch optisch wieder modern und ansprechend. Die Mieter und Eigentümer können sich über ein im Wert gestiegenes Gebäude freuen. Und das ist nicht nur finanziell gemeint. Hier geht man jetzt auch lieber ein und aus.

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